Templerglaube

Der Glaube der Templer

Die Brüder des Ordens der Armen Ritter Christi vom Tempel des Salomo zu Jerusalem kennt man als unerschrockene Kämpfer, die voller Todesverachtung jederzeit bereit waren zu Schwert und Lanze zu greifen und gegen Wegelagerer, die die Pilgerwege bedrohten oder die anrückenden Sarazenen, die die Vorherrschaft der Christen im Heiligen Land bekämpften, auszurücken und ihr leben einzusetzen.

Dieser Aspekt läßt sich in Spielfilmen a la Hollywood und auf Mittelaltermärkten sehr gut einem geneigten, sonst aber wenig geschichtsinteressierten Publikum sehr gut nahe bringen. Dabei wird jedoch ein wesentlicher und im Leben eines Tempelritter viel bedeutenderer Teil völlig vernachlässigt.

In erster Linie waren die Templer Mönche – Kriegermönche zwar – aber doch Mönche, die einen großen Teil des Tages damit verbrachten ihren Gott zu ehren.

In der Zeit der Kreuzzüge und dem Wirken des Templerordens gab es zwei wesentliche christliche Strömungen, die östliche, orthodoxe Kirche mit Hauptsitz in Konstantinopel (Istanbul) und die römisch katholische Kirche, deren Oberhaupt der Papst war, der saß nicht immer in Rom aber zum größten Teil.

Der Orden der Tempelritter unterstand direkt diesem Papst, die Ritter dieses Ordens waren also Katholiken (Martin Luther war noch nicht geboren und so gab es noch keine evangelische Kirche).

Der alte Leitsatz “Ora et labora!” – Bete und arbeite! – galt genauso für die Ritter des Tempels wie für jeden anderen Menschen im Mittelalter, nur daß das LABORA in diesem speziellen Falle mit kämpfen übersetzt werden muß.

Der Tagesablauf und das gesamte Leben im Orden war durch die Regeln von Bernhard von Clairvaux und die Statuten streng geregelt.

Der Tag begann mit der Laudes, dem ersten Stundengebet und endete mit der Komplet bzw. der Matutin. Zwischendurch hatte jeder Bruder zu den anderen Horen (Stundengebeten) zu erscheinen. Ausnahmen waren streng geregelt und auch ob die Brüder die Gebete im Stehen oder im Sitzen durchführen sollten.

Das wichtigste Gebet war damals wie heute das Vaterunser, die Sprache der Kirche war Latein.

Pater noster, qui es in caelis: sanctificetur Nomen Tuum;
adveniat Regnum Tuum; fiat voluntas Tua, sicut in caelo, et in terra.
Panem nostrum cotidianum da nobis hodie; et dimitte nobis debita nostra,
Sicut et nos dimittimus debitoribus nostris; et ne nos inducas in tentationem; sed libera nos a Malo.

Der Zisterziensermönch Bernhard von Clairvaux war ein bedeutender Abt seiner Zeit und schon damals bekannt für seine Marienverehrung. Er hat die ersten Regeln des Ordens aufgestellt, die maßgeblich zur Anerkennung durch den Papst beigetragen haben. Dem entsprechend waren auch die Tempelritter große Verehrer der Mutter Gottes und das Ave Maria war eines ihrer wichtigsten Gebete:

 

Ave María, gratia plena, Dominus tecum.
Benedícta tu in mulieribus, et benedictus fructus ventris tui, Iesus.
Sancta María, Mater Dei, ora pro nobis peccatoribus, nunc et in hora mortis nostrae.

Amen.

Neben diesen beiden Gebeten, die jeder Bruder vom Tempel kannte, gab es noch eine Anzahl weiterer Gebete. Ein weiteres wichtiges Gebet war das Glaubensbekenntnis:

Credo in unum Deum,patrem omnipotentem, factorem cæli et terræ,
visibilium omnium et invisibilium. Et in unum Dominum Jesum Christum,
Filium Dei unigenitum. Et ex Patre natum ante omnia sæcula.
Deum de Deo, lumen de lumine, Deum verum de Deo vero,
genitum, non factum, consubstantialem Patri:
per quem omnia facta sunt.
Qui propter nos homines et propter nostram salutem
descendit de cælis. Et incarnatus est de Spiritu Sancto
ex Maria Virgine, et homo factus est.
Crucifixus etiam pro nobis sub Pontio Pilato;
passus et sepultus est, et resurrexit tertia die, secundum Scripturas,
et ascendit in cælum, sedet ad dexteram Patris.
Et iterum venturus est cum gloria judicare vivos et mortuos,
cujus regni non erit finis.
Et in Spiritum Sanctum, Dominum et vivificantem:
qui ex Patre Filioque procedit.
Qui cum Patre et Filio simul adoratur et conglorificatur: qui locutus est per Prophetas.
Et unam, sanctam, catholicam et apostolicam Ecclesiam.
Confiteor unum baptisma in remissionem peccatorum.
Et expecto resurrectionem mortuorum, et vitam venturi sæculi.

Amen.

Für die Durchführung der Gottesdienst und die Einhaltung der Horen, sowie alle übrigen kirchlichen Handlungen, Erteilung des Segens, Abnahme der Beichte, Bestattungen, waren der Kaplan zuständig. Er gehörte nur selten zu den kämpfenden Brüdern, zog aber als kirchlicher Beistand mit in die Schlacht.

Das wichtigste christliche Symbol war das Kreuz in der heute noch üblichen Form aber auch die Kleidung der Brüder zeugte von einer tiefen Verbundenheit zum christlichen Glauben. Der weiße Mantel der Ritterbrüder verkörperte die Reinheit der Brüder, die allen weltlichen Verlockungen abgeschworen hatten und die die drei Gelübde:

Armut, Keuschheit und Gehorsam
abgelegt hatten. Das rote Kreuz prangte auf der Brust des Waffenrocks (nicht in der Mitte über dem Bauch, sondern über dem Herzen) und auf der linken Schulter des weißen Mantels (der dem Herzen am nächsten gelegenen Stelle). Dieses Kreuz symbolisierte das Blut Christi, das er für seine Jünger und die ganze Menschheit am Kreuz auf dem Berg Golgatha vergossen hatte.